Mädels, lasst uns Mädels sein!

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Ich höre oft von Frauen, dass Männer ihnen Komplimente machen, wenn sie merken, dass sie sich besonders viel Mühe mit ihrem Styling gegeben haben. Nun, das hört sich fantastisch an, denn wer freut sich nicht über etwas verdiente Aufmerksamkeit ☺ Leider regnet es aber manchmal auch Bemerkungen, von denen man behaupten könnte, der Sprecher hätte sie wohl besser stecken lassen sollen. Doch sind dahinter wirklich böse Absichten? Oder handelt es sich vielmehr um einen etwas tollpatschigen Versuch, eine Konversation zu starten? Ich frage mich das sehr oft, denn eigentlich gibt es kein Tag, an dem ich nicht mit den Wortmeldungen von Fremden auf der Straße konfrontiert werde. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man keiner Person wirklich Böswillen unterstellen sollte. Es mag sein, dass sie – und damit auch ich – Opfer ihrer eigenen Unbeholfenheit geworden sind. Und sollte doch mal jemand böse Absichten verfolgen, gilt das, was überall gilt: Nicht aufregen – nur wundern!

Mich verunsichert es manchmal, wenn die Leute mich anstarren. Bestimmt wissen sie gar nicht, dass ich das sehr wohl bemerke und was für ein komisches Gesicht sie dabei zudem ziehen. Mir ist aufgefallen, dass ich das „komische“ Gesicht ganz oft fehlinterpretiert habe. Wenn ich mit den Leuten später ins Gespräch kam, machten sie mir Komplimente und erzählten davon, wie beeindruckt sie schon waren, als sie mich das erste Mal gesehen hatten. Die Abwertung passierte also nur in meinem Kopf, in Wirklichkeit bedeutete das „komische“ Gesicht lediglich, dass sie verblüfft waren.

Oft höre ich auch Sätze von Fremden wie: „Sie sehen aber heute schön aus!“ Ich bin mir nicht sicher, was sie genau mit „heute“ meinen, denn gestern sah ich schon so aus und bin optimistisch, dass es mir morgen auch gelingen wird, wieder so auszusehen. Wir merken also, dass wir eigentlich nur die Tatsache betrachten sollten, dass Leute überhaupt etwas sagen und nicht unbedingt „was“ sie sagen. Es ist nicht so leicht, sich daran zu gewöhnen, aber mit der Zeit stören die Blicke der Anderen immer weniger, bis man sie schließlich gar nicht mehr bemerkt.

Letztens erzählte mir jemand, er habe eine Freundin, die behauptete, sich feminin zu kleiden sei nicht feministisch genug. Entschuldigung…wie bitte??? Sollte man nicht vielmehr sagen, wer so etwas behauptet sei sexistisch? Sollten sich Männer und Frauen in wirklich allem gleichen? Sie brauchen ohne Zweifel die gleichen Rechte und Möglichkeiten, aber bedeutet das, dass wir danach streben sollten, eine Mitte zwischen dem Männlichen und Weiblichen zu finden und uns dann alle in dieser Mitte finden sollten? Das macht mir Angst, lebt doch unsere ganze Welt und die ganze Natur von ihrer Schönheit der Vielfalt und der Varietäten!

Ich kann nur sagen, ich fühle mich sehr weiblich und kleide mich gern so. Manchmal stehen Männer für mich im Bus auf, helfen mir die schweren Einkaufstaschen in die dritte Etage zu tragen und halten mir die Tür auf. Ich zeige eben, dass ich eine Lady bin und werde auch so behandelt. Der Gedanke, dass man mich für „schwach“ halten könnte und deshalb Hilfe anbietet, liegt mir absolut fern! Wer sich stilsicher und ausgefallen kleidet ist vielmehr gerade besonders mutig und demnach auch stark. Wenn eine Frau das nicht als Bereicherung, sondern als Angriff auf ihre Gleichstellung zum Manne sieht, dann scheint sie, man verzeihe mir bitte, ein weitaus größeres Problem mit sich und ihrer Weiblichkeit zu haben, als die Frauen, die Spaß daran finden, sich nur für sich selbst zurechtzumachen und ein bisschen Glamour in die trübe Welt da draußen bringen!

Wenn wir Ladys wollen, dass Männer richtige Männer sind, dann sollten wir gefälligst auch keine Angst davor haben, richtige Frauen zu sein!

Nun, liebe lieblichen Ladys, geht hinaus und macht die Welt mit Eurem Antlitz ein bisschen vielfältiger und schöner!

Eure Miss Daisy